Vor fast 110 Jahren wurde die staatliche Wasserleitung nach Bad Nauheim gebaut. Die 45Zentimeter dicken Rohre fördern seitdem Wasser quer durch die Schäferstadt. An einem Morgen im Juni 2013 gab eines der Rohre nach – mit dramatischen Folgen.

Auf rund vier Metern Länge klaffte ein Riss in der Leitung, Unmengen an Wasser suchten sich unkontrolliert ihren Weg. Um kurz nach fünf wurde die Freiwillige Feuerwehr Hungen alarmiert: aus der Lindenallee sprudelte Wasser, die Straße hatte sich auf einer Strecke von knapp zwanzig Metern um bis zu zehn Zentimeter angehoben, der Teer war gebrochen. Die Wassermassen strömten zum Teil in die Straße „Am Zwenger“ – der Großteil jedoch folgte dem Gefälle und floss Richtung Bauhof. Bis zu einem halben Meter hoch stand das braune, mit Kies und Schlamm vermischte Wasser in den Räumen, überschwemmte auch die Kellerräume der Feuerwehr.

Schnell zeigte sich das Ausmaß der Schäden: nicht nur Computer, sondern auch ein Großteil des Inventars und Maschinenparks –Rasenmäher, Laubsauger, Teile der Weihnachtsbeleuchtung - wurden durch das Wasser zerstört. Auf der Wasseroberfläche bildete sich ein Benzinfilm, der von der Feuerwehr mit Ölbindemittel aufgenommen wurde. Auch Bürgermeister Rainer Wengorsch machte sich ein Bild von den Ausmaßen der Überflutung. Die Wasserversorgung der Kernstadt war von dem Rohrbruch nicht betroffen.

In Absprache mit dem Notdienst der OVAG wurde die Lindenallee für den Fahrzeug- als auch Personenverkehr in Höhe des Rohrbruchs gesperrt, da nicht abzusehen war, wie stark die Straße unterspült war. Nachdem der Bagger die Teerdecke aufgerissen hatte, zeigte sich das Ausmaß: ein über zwei Meter tiefes und zwei Meter breites Loch klaffte im Erdreich. Jederzeit hätte ein Fahrzeug hier einbrechen können.

Mit mehreren Pumpen und Nasssaugern pumpten die Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Bauhofs sowie Mitarbeiter der OVAG den Bauhof in einem elfstündigen Einsatz aus. Hier zeigte sich wieder einmal, wie wichtig eine umfassende und gute Ausrüstung an jedem Standort ist. Den Einsatz leitete der stellv. Wehrführer Michael Weber. Zwischenzeitlich rückte die Feuerwehr Hungen außerdem zu zwei ausgelösten Brandmeldeanlagen aus, wobei sie von den Kameraden aus Inheiden unterstützt wurde.