Die Freiwillige Feuerwehr Hungen rettet nicht nur Menschen. Auch wenn Tiere in Notsituationen in Not geraten, versucht man diese aus ihrer misslichen Lage zu befreien. An einen Sonntagnachmittag im April 2013 forderte ein Reh die Einsatzkräfte gleich zweimal.

Spielende Kinder hatten neben dem Weg entlang der Horloff nach Inheiden einen jungen Rehbock gefunden, der sich einem Weidezaun verfangen hatte und sich nicht mehr selbst befreien konnte. Daraufhin alarmierten sie die Feuerwehr.

Doch das junge Reh schien zuerst nicht so genau zu verstehen, dass die Feuerwehr ihm nur helfen wollte. Mit zwei Mann musste es festgehalten werden, damit ein dritter es aus dem Zaun herausschneiden konnte. Danach gönnte man dem Tier eine Erholungspause ohne direkten menschlichen Kontakt. Das wahrscheinlich vom stundenlangen Kampf mit dem Zaun völlig ausgezerrte Tier zog sich zunächst in ein Gebüsch zurück, während die Einsatzkräfte auf den Jagdpächter warteten und die Kinder für ihren Anruf lobten.

Plötzlich und vollkommen unerwartet sprang das Tier in die Horloff. Sofort stürzten sich zwei beherzte Feuerwehrmänner in die Fluten, um das Tier aus dem Wasser zu ziehen. Das Reh wurde reanimiert und beatmet, doch alle Bemühungen waren vergeblich: der herbeigerufene Jagdpächter konnte leider nur noch den Tod des Tieres feststellen.

Vor fast 110 Jahren wurde die staatliche Wasserleitung nach Bad Nauheim gebaut. Die 45Zentimeter dicken Rohre fördern seitdem Wasser quer durch die Schäferstadt. An einem Morgen im Juni 2013 gab eines der Rohre nach – mit dramatischen Folgen.

Auf rund vier Metern Länge klaffte ein Riss in der Leitung, Unmengen an Wasser suchten sich unkontrolliert ihren Weg. Um kurz nach fünf wurde die Freiwillige Feuerwehr Hungen alarmiert: aus der Lindenallee sprudelte Wasser, die Straße hatte sich auf einer Strecke von knapp zwanzig Metern um bis zu zehn Zentimeter angehoben, der Teer war gebrochen. Die Wassermassen strömten zum Teil in die Straße „Am Zwenger“ – der Großteil jedoch folgte dem Gefälle und floss Richtung Bauhof. Bis zu einem halben Meter hoch stand das braune, mit Kies und Schlamm vermischte Wasser in den Räumen, überschwemmte auch die Kellerräume der Feuerwehr.

Schnell zeigte sich das Ausmaß der Schäden: nicht nur Computer, sondern auch ein Großteil des Inventars und Maschinenparks –Rasenmäher, Laubsauger, Teile der Weihnachtsbeleuchtung - wurden durch das Wasser zerstört. Auf der Wasseroberfläche bildete sich ein Benzinfilm, der von der Feuerwehr mit Ölbindemittel aufgenommen wurde. Auch Bürgermeister Rainer Wengorsch machte sich ein Bild von den Ausmaßen der Überflutung. Die Wasserversorgung der Kernstadt war von dem Rohrbruch nicht betroffen.

In Absprache mit dem Notdienst der OVAG wurde die Lindenallee für den Fahrzeug- als auch Personenverkehr in Höhe des Rohrbruchs gesperrt, da nicht abzusehen war, wie stark die Straße unterspült war. Nachdem der Bagger die Teerdecke aufgerissen hatte, zeigte sich das Ausmaß: ein über zwei Meter tiefes und zwei Meter breites Loch klaffte im Erdreich. Jederzeit hätte ein Fahrzeug hier einbrechen können.

Mit mehreren Pumpen und Nasssaugern pumpten die Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Bauhofs sowie Mitarbeiter der OVAG den Bauhof in einem elfstündigen Einsatz aus. Hier zeigte sich wieder einmal, wie wichtig eine umfassende und gute Ausrüstung an jedem Standort ist. Den Einsatz leitete der stellv. Wehrführer Michael Weber. Zwischenzeitlich rückte die Feuerwehr Hungen außerdem zu zwei ausgelösten Brandmeldeanlagen aus, wobei sie von den Kameraden aus Inheiden unterstützt wurde.