Es war ein Abend, der von Dankesworten geprägt war. „Großes persönliches Engagement und Pflichtbewusstsein haben euch ausgezeichnet“, schickte Michael Klier, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, seinem Bericht voraus. „Ich möchte allen für ihr Engagement – auch im Hintergrund – danken.“ Im Bürgerhaus Villingen trafen sich die Vertreter der Feuerwehren des Landkreises Gießen am Freitagabend zur Verbandsversammlung.

Klier gab einen Überlick. 2019 richtet der Kreisfeuerwehrverband wieder den Wettbewerb „Feuerwehr der Zukunft“ in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Gießen aus. Fünf Feuerwehren sind mit von der Partie. Auf der Kreisebene hat der Verband unter anderem ein Wärmebildkameratraining und die Ausbildung zum Feuerwehrführerschein angeboten. Das Presseteam richtet derzeit einen Fotowettbewerb auf Facebook aus.

Der alternative Verbandstag auf dem Seefest in Inheiden sei gut angekommen, erklärte Klier. Er dankte Landrätin Anita Schneider, dass sie als für den Kreisverbandstag am 25. August in Nonnenroth Schirmherrin sein wird. Der Musikzug Villingen umrahmte die Verbandsversammlung.

kreisverbands03Schneider sagte in ihren Grußwort „Danke für die Arbeit“, sowohl in Richtung der Feuerwehrleute als auch des Kreisfeuerwehrverbandsvorstands. Insbesondere dankte sie den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Frank Müller, Heike Kraft, Udo Kühn und Jens Richmann. „Vielen Dank, dass sie ihre Freizeit – und davon haben sie als in ihren Einsatzabteilungen aktive Feuerwehrleute ohnehin nicht viel – hier eingebracht haben.“ Positiv sah sie die steigenden Mitgliederzahlen bei den Minifeuerwehren. 14 der knapp 100 Feuerwehren im Landkreis waren bereits Feuerwehr des Monats.

Hungens Bürgermeister Rainer Wengorsch erklärte: „Man ist ein stückweit stolz darauf, dass sich die Ehrenamtlichen mit Tatkraft der Feuerwehr widmen.“ Er sieht ein großes Vertrauen der Bürger in die Freiwilligen Feuerwehren, das durch die große Motivation, die gute Ausbildung und Ausrüstung bedingt sei. In Hungen würden etwa derzeit neue Mannschafstransportbusse angeschafft und die Umbauten der Gerätehäuser Hungen und Trais-Horloff vorbereitet. „Unser Gesellschaft lebt von Menschen, die bereit sind, Ehrenämter zu übernehmen.“ Er schloss mit den lobenden Worten: „Sie gehören zur frühesten und mutigsten Bürgerinitative, die es je gab.“

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Timo Bienko überbrachte die Grüße des Regierungspräsidiums. „Wir sind für alle da, wir fragen nicht A oder X, wir helfen“, beschrieb er das Motto der Feuerwehr. Das Land Hessen unterstütze etwa die Feuerwehren durch den Ausbau der Landesfeuerwehrschule in Kassel.

Kreisbrandinspektor Mario Binsch gab einen Überblick über die Ereignisse im Landkreis. In der Einsatzübersicht prägten vor allem die Wetterextreme das Jahr. Im Mai sorgten Unwetter über Bellersheim, Gießen und Wettenberg für ein Einsatzhoch: 810 mal war die Feuerwehr im Wonnemonat alarmiert worden. Während es im Januar und April Hochwassereinsätze an der Lahn und der Wieseck gab, musste man im August vor allem wegen der Trockenheit zu Waldbränden ausrücken.

44 Prozent der 4091 Einsätze (was insgesamt fast 7000 Alarmierungen bedeutet) ereigneten sich nachts, was bedeutet, dass vor allem tagsüber Feuerwehrleute gebraucht werden. „Da sind die Wirtschaft und viele Menschen unterwegs, da passieren auch viele Unfälle“, ordnete Binsch dies ein. „Tagsüber – dann wenn unsere Einsatzkräfte selbst arbeiten gehen – haben wir den überwiegenden Teil der Einsätze.“

Die Zahl der Hilfeleistungen etwa nach Unfällen oder Unwettern überwog mit 2513 deutlich gegenüber den Bränden (1091), erklärte Binsch. Im Schnitt gab es elf Alarmierungen pro Tag, der Rettungsdienst rückte 114 mal pro Tag aus. Unter anderm erinnerte er an den Orkan Fredericke im Januar, das Zugunglück von Buseck im Mai und das Unwetter in Gießen mit 457 registrierten Einsätzen. Unter anderem gab es einen Wassereinbruch in vier Krankenhäusern. „In einer Klinik stand 2,50 Meter das Wasser im Gebäude.“

Bei der Personalentwicklung freute es Binsch, dass von 2013 zu 2018 die Zahl der Kinder von 600 auf 800 gestiegen ist. Der Mädchenanteil stieg dabei um 32 Prozent an. „Da muss man sich jetzt Gedanken machen, dass man ein Gerätehaus kinderfreundlich macht.“ Bei den Jugendfeuerwehren gab es einen Rückgang der Mitglieder von 12 Prozent seit 2012. 2006 wechselten noch 130 Jugendliche in die Einsatzabteilung, 2018 waren es nur noch 43. „Das ist ein rapider Verlust“, sagte Binsch besorgt. Jedoch gab es 140 Quereinsteiger im Berichtsjahr. In den vergangenen zehn Jahren ging die Zahl der Feuerwehrleute um 9 Prozent auf nun 2785 zurück. 14 Prozent davon sind Frauen.

Auch die Zahl der Feuerwehren selbst ging zurück. Von einst 106 sind, bedingt auch durch Fusionen (etwa in Staufenberg), derzeit 97 geblieben. „Dieses Jahr wird die Statistik um drei weniger ausfallen“, erwartet Binsch. Denn weitere Fusionen stehen an. Nach dem Neubau eines gemeinsamen Gerätehauses in Biebertal dürfte die Zahl schließlich um 2020 auf rund 90 sinken.

In Queckborn findet die Verbandsversammlung 2020 im Mai, ebenso der Kreisverbandstag am 16. und 17. August 2020 statt.. 2021 will der Feuerwehrverein Großen-Linden die Verbandsversammlung ausrichten. Für den Kreisfeuerwehrtag gab es noch keinen direkten Kandidaten. Sollte sich hier bis 1. Oktober kein Interessent finden, soll wieder ein alternativer Kreisfeuerwehrtag organisiert werden.

Nach dem Kassenbericht wurde der Vorstand entlastet. Florian Steiner wurde als Nachrücker zum Kassenprüfer gewählt. Bei den Wahlen bestätigt wurde einstimmig Vorsitzender Michael Klier, die stellvertretende Vorsitzende Julia Trampisch, Finanzverwalter Sebastian Finck, Schriftführer Stefan Becker, Frank Mathes als Vertreter der Berufsfeuerwehr Gießen, Jörg Firnges als Vertreter der nichtöffentlichen Feuerwehren sowie Anne Sussmann als Gleichstellungsbeauftragte. Neu gewählt wurden als stellvertretende Vorsitzende Lothar Theis und Marco Kirchner. Kai Hillberg ist nun Verbandsjugendwart und Kreisstabsführer Werner Rauber-Wagner.

Im Rahmen der Kreisverbandsversammlung fanden zahlreiche Ehrungen statt. Geehrt wurden mit der Ehrennadel in Bronze Jahre Tätigkeit als Kreisausbilder, Vorstandsmitglied Kreisfeuerwehrverband, Jugendwart, Leiter der Musikgruppen oder Mitglied des Wehrführerausschusses) Jens Richmann, Heike Kraft, Mario Binsch, Stefan Becker, Gerit Laun und Michael Klier.

Für 20 Jahre Tätigkeit erhielten die Ehrennadel in Silber Frank Müller, Sebastian Finck, Frank Mathes, Holger Schmandt, Roland Kraus, Marcus Leopold, Peter Gau, Burkhard Bellof, Michael Weber, Jörg Schlüter, Holger Parr und Dirk Reitschmidt.

Die Ehrennadel in Gold für 25 Jahre ging an Karl-Ludwig Reinhardt und Jörg Magold. Das silberne Brandschutzverdienstzeichen am Bande erhielt Udo Kühn. Der Musikzug Villingen umrahmte die Kreisverbandsversammlung, die von der Freiwilligen Feuerwehr Nonnenroth ausgerichtet wurde.

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